Dampfbahn

   Die Dampfbahn

 Mainz - Zahlbach - Bretzenheim - Hechtsheim (1891 - 1923)
 Mainz - Gonsenheim - Finthen (1892 - 1922)

Die Geschichte der Dampfbahn ist im Buch “Mainz und seine Straßenbahn 1883-1983” von Harald Neise
ausführlich beschrieben und soll hier deshalb nur in Stichworten wiedergegeben werden.
Der Verein dankt Harald Neise für die Erlaubnis dazu. Desweiteren danken wir unseren Mitgliedern Kurt Bormann und Jörn Müller aus Hamburg für weiteres Material.
Ansichtskarten, weitere Fotos und Infos auf der Seite “
Der Verein/AK der Dampfbahn

a) Die Dampfbahn in Stichworten:
Seit Eröffnung der Pferdebahn am 26.09.1883 gab es in den vor der Stadt gelegenen, damals noch selbstständigen, Gemeinden Hechtsheim, Bretzenheim, Gonsenheim und Finthen der Wunsch nach einer leistungsfähigen Verbindung nach Mainz für ihre vielen in Mainz arbeitenden Bürger.
Am 11.05.1889 übernahm das Konsortium aus der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und dem Generalunternehmer für Sekundärbahnen, Herrmann Bachstein in Berlin vertraglich von der Stadt Mainz die Pferdebahn und verpflichtete sich gleichzeitig zum Bau der dampfbetriebenen Vorortbahn nach Hechtsheim und Finthen.
Am 19.04.1890 bekam das Konsortium vom Großherzog von Hessen die Genehmigung zum Bau und Betrieb der Dampfbahn auf die Dauer von 50 Jahren.
Am 12.08.1891 Eröffnung der ersten Dampfbahnlinie von Mainz (Fischtor) nach Hechtsheim
Am 21.09.1891 Eröffnung der Stichstrecke (Lindenmühle - Bretzenheim), dadurch 8 min. längere Fahrzeit zwischen Mainz und Hechtsheim
Am 17.08.1892 Eröffnung der zweiten Dampfbahnlinie von Mainz (Fischtor) nach Gonsenheim - Finthen
Am 11.02.1895 Gründung der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) in Darmstadt und Übergang der Mainzer Vorortbahnen (Dampfbahn) und der Mainzer Straßenbahn-AG (Pferdebahn) auf diese
Ab 04.12.1916 Verkürzung der Linien auf die Brücke am Hauptbahnhof und dadurch Wegfall des innerstädtischen Teiles.
Am 28.09.1919 Übergang der Dampfbahn an die Stadt (die Pferdebahn war bereits am 01.04.1904 an die Stadt übergegangen)
Am 30.04.1922 Einstellung des Dampfbetriebes nach Finthen, Umstellung auf elektrischen Straßenbahnbetrieb.
Am 09.06.1923 Einstellung des Dampfbetriebes nach Hechtsheim, Umstellung auf elektrischen Straßenbahnbetrieb.
 

 

 Nachfolgend  Bilder der Dampfbahn aus der Sammlung Neise

Dampfbahn Lok 88 um 1900 im Bahnhof Kirchhöfe
Dampfbahn Zug ca 1910 am Binger Tor
Dampfbahn Lok 97 in Hechtsheim ca 1917

 

Dampflok 88 um 1900 im Betriebsbahnhof Kirchhöfe (heute ist dort das Arbeitsamt)

Dampfbahnzug um 1910 am Binger Tor

Dampflok 97 um 1917 in Hechtsheim. Dahinter der Post-Personenwagen

 

 

 Nachfolgend  Zeichnungen von unserem Mitglied Jörn Müller im Massstab 1:87

Kastendampflokomotive 96-100
Post-Personenwagen
Personenwagen
Sommer Beiwagen

Marktwagen 69

Kastendampf-
lokomotive 96-100

Post - Personenwagen

geschlossener
Personenwagen

offener
Sommerbeiwagen

Wagen 69
kleiner Marktwagen

 

 Nachfolgend Zeichnungen der Dampfbahnstrecke und der Bahnhöfe von K. Bormann

Dampfbahnstrecken 1913-1916

Bahnhof Finthen Dampfbahn 1922-1928

Bahnhof Hechtsheim Dampfbahn 1923

Bahnhof Kirchhoefe 1907

 

 Die Dampfbahnstrecken 1913-1916

 Bahnhof Finthen

 Bahnhof Hechtsheim

 Betriebsbahnhof “Kirchhöfe”

 

 

 Nachfolgend Bilder aus der Neuzeit

Dampfbahn Tunnel Gonsenheim 20070410

Dampfbahn Tunnel Gonsenheim 20070410

 

 

 

Auf dem Foto von 2007 ist der Tunnel der Dampfbahn neben der Koblenzer Str. zu sehen

An der Tunneldecke befinden sich noch Rußspuren aus der Dampflokzeit

 

 

 

 

 Bahnpoststempel

Ein eigenes und bisher kaum bekanntes Kapitel der Mainzer Dampfbahngeschichte sind die Bahnpoststempel:
 - Mainz-Finthen                     Bahnpoststempel 19151106 Zug 46
(Sammlung L. Frey)
 - Mainz-Hechtsheim                Bahnpoststempel 19040307 Zug 07

Jeder Bahnpoststempel verfügt über eine Zugnummer und ist deshalb zuzuordnen.
Züge mit den Zugnummern 1 bis 30 fuhren Mainz-Hechtsheim-Mainz
Züge mit den Zugnummern 35 bis 88 fuhren Mainz-Finthen-Mainz
Es gibt Stempel mit Zugnummern in falscher Richtung (z.B. Zug 35 auf Stempel Mainz-Hechtsheim)
Aus den bekannten Stempeln konnte bisher kein Laufplan der Postwagen (1 Postwagen, 1 Post-Personenwagen)
zusammengestellt werden. Da die Zugnummern häufiger wechselten sind auch deren genauen Daten nicht bekannt.

Eine Tabelle dazu ist auf der Seite des Vereins für Briefmarkenkunde von 1885 e.V. Mainz zu finden

 

Die Festungsbahn

 Als Folge der immer weiter reichenden Artilleriegeschosse wurde um die Reichsfestung Mainz herum ein weiter Festungsgürtel (Selztalstellung) gebaut. Um die Baumaterialien und das Kriegsmaterial befördern zu können wurde ab 1908 eine 49 km lange Festungsbahn  gebaut.
Sie bestand aus folgenden Strecken:
1) Die Armierungsbahn von Finthen nach Wackernheim, 6,2 km, Spur 1000 mm
2) Die Festungsbahn von Weisenau über Hechtsheim nach Wackernheim- Rabenkopf mit Stichstrecken nach Ebersheim - Zornheim und zum Bahnhof Marienborn, 40 km, Spur 600 mm
3) Die Zahnradbahn von Ingelheim zum Westerberg, 2,5 km, Spur 1435 mm

Wer näheres wissen möchte, dem empfehlen wir die Seite
 
www.bollwerk-mainz.de/bollwerk_festungsbahn.html
 bzw. das Buch
Bollwerk_Mainz_t
unbedingt zu lesen

1) Die Armierungsbahn

(Mainz - Gonsenheim mit Stichstrecke zum Fort Gonsenheim - Finthen) Finthen - Wackernheim

Die rein militärischen Zwecken dienende Bahn wurde zunächst mit einer Spurbreite von 600 mm gebaut. Kurz vor der Vollendung (da wegen des nahenden 1. Weltkriegs sie nicht bis Mainz durchgebaut werden konnte und in Wackernheim Soldaten und Gelände für einen Umladebahnhof vorhanden waren) wurde sie wieder abgebaut und mit einer Spurbreite von 1000 mm und einer Schienenhöhe von 115 mm auf einer Länge von 6,2 km als einspurige Strecke neu erbaut.
In Finthen erhielt sie einen Anschluß an die Dampfbahn und in Wackernheim endete sie im Umladebahnhof.
(Zudem gab es auf der Dampfbahnstrecke Mainz - Gonsenheim eine 300 m lange Stichstrecke zum Fort Gonsenheim)
Somit konnten Baustoffe für die Selztalstellung von der Schiffsentladestelle an der Kaiserbrücke nach Wackernheim befördert werden wo sie auf die 600 mm Feldbahn  umgeladen wurden.

Erbaut ab 1908
Nach Ende des 1. Weltkrieges wurde die Bahn zunächst eingestellt. Sie wurde aber nicht abgebaut und diente danach als Zubringer für den Französischen Feldflugplatz in Wackernheim
Am 15.12.1922 (Wieder-)Eröffnung der (militärischen) Armierungsbahn Finthen-Wackernheim als reichseigene Linie, unter Weiterbenutzung der Dampfbahnlokomotiven 87 und 88. Dazu Anschaffung der VT 1 und 2 in 1924
Am 01.10.1927 erfolgte die Kündigung des Vertrages mit der Stadt Mainz mit sofortiger Wirkung. Dies bedeutete das Ende der Bahn.
1928 erfolgte der Abbau der Strecke durch eine private Firma.

Zum Betrieb benutzte man zunächst die beiden Dampfloks 87 und 88 der Mainzer Dampfbahn, sowie nach Ausfall der Lok 87 kurzzeitig Lok 64 der SEG aus Darmstadt.
1923 bestellte das Deutsche Reich/Reichsvermögensamt zwei Benzoltriebwagen des Typs IV der Deutschen Werke AG (DWK), die wegen zahlreicher technischer und anderer Schwierigkeiten erst im  Mai 1924 angeliefert und vermutlich gegen Jahresende in Betrieb gesetzt  werden konnten.
Nach Einstellung der Armierungsbahn im Jahr 1927 wurden die beiden Benzoltriebwagen an die Süddeutsche Eisenbahn Gesellschaft verkauft, die diese auf der Linie Zell - Todtnau als Triebwagen 7 und Triebwagen 8 einsetzte.
Sicher ist, dass der Triebwagen DKW 27 danach an die Mindener Kreisbahn verkauft wurde, von dieser wiederum einige Jahre später an die Kreisbahn Emden - Pewsum - Pilsum - Greetsiel (ex Kursbuchstrecke 223c). Letztere bauten den Triebwagen zu einem Personenwagen mit der Betriebsnummer 563 um. Nach der Einstellung der Bahn im Jahr 1963 soll die Verschrottung erfolgt sein.
Der Verbleib von Treibwagen DKW 29 ist nicht lückenlos nachvollziehbar. Er soll im Jahr 1930 nach Lettland gelangt sein.

In Wackernheim existierten folgende Bahnanlagen:
1 Ausweiche östlich Umladehalle
2 Ausweichen westlich Umladehalle
3 Hallengleise in Umladehalle
1 Laderampe (Streckenende)
Anschlussgleis Flugfeld (nachgerüstet)
Im Wackernheimer Bahnhof wurden die transportierten Güter von der 1000 mm-Strecke auf die 600 mm -Strecke der Festungsbahn umgeladen.
Wackernheim hatte zeitweise bis zu vier Bahnhöfe/Betriebsstellen:
Umladebahnhof mit Bahnhofshalle (600 mm und 1000 mm)
Rabenkopf (600 mm)
Flugplatz (600 mm)
Umladestelle an der Strecke Wackernheim - Finthen (600 mm)
Von der am 01. Oktober 1927 eingestellten Bahn existiert heute noch die ehemalige Bahnhofshalle in Wackernheim.
 

VT 1 oder 2

Benzoltriebwagen 1-2

Zeichnung von J. Müller

RWWA 107-GN3745

Die beiden Bilder zeigen die Anlieferung der beiden Benzoltriebwagen im Mai 1924 per Eisenbahn im Werk Gastell in Mombach.
Dort wurden sie abgeladen, zusammengebaut und danach nach Finthen überführt.

Bilder: Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA 107-GN3743 und 107-GN3745)

RWWA 107-GN3743

Benzolwagen 1924 in Finthen

Einer der beiden Benzol-Triebwagen 1924 in Finthen vor dem Lokschuppen

Sammlung Neise

Finthen Kartenausschnitt

Auf dem Kartenausschnitt endet die Dampfbahn (blaue Linie) in Finthen
Die Züge der Armierungsbahn machten dann Kopf und fuhren durch die Wagenhalle und weiter links abbiegend unterhalb der Brauerei Königsborn nach Wackernheim
s. auch Zeichnung “Bahnhof Finthen”

1963 Finthen Hauweg

Oben: Das 1963 von H. Neise aufgenommene Bild zeigt die Brücke über den Hauweg
Darunter war der Fahrweg der “Armierungsbahn” von Finthen nach Wackernheim

 

 

Mitte und unten: Die beiden 2015 aufgenommenen Luftbilder von Google earth zeigen, dass die Brücke zwischenzeitlich gesprengt und der Einschnitt verfüllt wurde

 

Bruecke Hauweg Luftbild Google 20150308

Bruecke Hauweg Luftbild Google 20150308

 

 

Umladebahnhof Wackernheim 2015

Die 4 Bilder von 2015 zeigen die Umladehalle in Wackernheim

Sie diente dem Umladen der Güter von Zügen aus Finthen (1000 mm Spur) auf Wagen der Festungsbahn (600 mm Spur)

Sie war 75,60 m lang, 17,80 m breit und 5,50 m hoch und damit einer der größten Bahnhöfe der damaligen Zeit.

In ihr befanden sich je 3 Gleise aus beiden Richtungen im Wechsel nebeneinander.
-------------------------------- 600 mm-Spur
1000-mm Spur ------------------------------
-------------------------------- 600-mm Spur
1000-mm Spur ------------------------------
-------------------------------- 600-mm Spur
1000-mm Spur -----------------------------
Dadurch konnten 3 Züge gleichzeitig  umgeladen werden

 

Umladebahnhof Wackernheim 2015

Umladebahnhof Wackernheim 2015

Umladebahnhof Wackernheim 2015

 

2) Die Festungsbahn

Sie führte mit einer Spurweite von 600 mm von Wackernheim nach Weisenau (dort war auch das Depot) mit Stichstrecken nach Marienborn bzw. Ebersheim - Zornheim

Bis 2016 war nichts über eine zivile Nutzung (Personenverkehr) auf der Strecke bekannt, bzw man nahm an, dass dies aus militärischen Gründen (Spionage) nicht zugelassen war. Seit 2016 gibt es ein Foto zusammen mit der Erklärung eines Zeitzeugen dazu.
Festungsbahn_Eb_1912_RB_tDanach wurde das Bild 1912 im Bahnhof Ebersheim (heute steht dort die Totenhalle auf dem Friedhof hinter der katholischen Kirche) aufgenommen. Grund war die Aufnahme des zivilen Verkehrs auf der Festungsbahn. nachdem von 1909 ab nur Baumaterial über die Strecke befördert wurde.
Das Zuglaufschild am vorderen Waggon zeigt die befahrene Strecke:
Wackernheim - Marienborn - Hechtsheim - Mainz Weisenau

 Leider ist der Wappen am Personenwagen schlecht zu erkennen. Er ist ähnlich des Wappens der Königlich Preußischen Eisenbahn-Verwaltung (K.P.E.V), aber die Buchstaben stimmen nicht

 

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