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Streckenausbau
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Öffnungszeiten Verkehrsgeschichtliche Ausstellung
2010 an zwei Tagen: 29.05.2010 Museumsnacht und 24.10.2010 Tag der offenen Tür

Wenn man über Streckenausbau schreibt muss man sich zunächst die Geschichte des Streckennetzes betrachten.

 Das Streckennetz der Mainzer Straßenbahn  zum Seitenanfang

Eine dramatische Geschichte

Seine größte Ausdehnung hatte das Straßenbahnnetz im Jahre 1927.
Die größten Veränderungen, abgesehen von Kriegsschäden, waren danach leider fast nur noch Streckenstillegungen.
Die vielleicht folgenschwerste war 1955 die Umstellung der Tram-Linien 6 und 9 nach Wiesbaden und Biebrich-Schierstein auf Busbetrieb. Im selben Jahr hatte nun das Mainzer Obus-Netz (“Straßenbahn auf Rädern”)  seine größte Ausdehnung erreicht.
Im Nachhinein als sehr nachteilhaft erwies sich auch die Aufgabe der Schienenstrecke zur Universität im Jahre 1956, die zunächst noch vom Obus befahren wurde.
1958 endete schließlich der Straßenbahnverkehr über die Rheinbrücke mit Einstellung der Tram nach Mainz-Kastel und -Kostheim gegen den Willen des Stadtrats; zuständig war jedoch die Stadt Wiesbaden.
Trotzdem konnte noch im gleichen Jahr die Ära der Gelenktriebwagen mit fabrikneuen Fahrzeugen beginnen.
Es folgte 1963 die Aufgabe der Straßenbahnstrecken nach Mombach und nach Weisenau zugunsten einer Buslinie 1. Einige innerstädtische Strecken wurden zudem wegrationalisiert, 1965 auch die Rheinachse Straßenbahnamt – Liebfrauenplatz.
Übrig vom Mainzer Straßenbahnschienennetz blieb schließlich nur noch die große Strecke zwischen Finthen und Hechtsheim, die zwischen Hauptbahnhof und Bismarckplatz auch Teil der Bretzenheimer Strecke zur Ingelheimer Aue war.
Der überwiegende Teil des Nahverkehrs lastete inzwischen auf dem Busverkehr.
Das verbleibende Schienennetz wurde ab jetzt zweigleisig ausgebaut und immer weiter ausgebessert.
Unterdessen gab man 1967 den umweltfreundlichen O-Bus ganz auf.
1974 verkehrte zum letzten Mal ein Straßenbahn mit Beiwagen.
Im selben Jahr gab es wieder Planungen für den Ausbau des Schienennetzes. Der noch neue Stadtteil Lerchenberg sollte über den Südring und Marienborn mit einer Straßenbahnlinie angebunden werden; entweder als (unterirdische) Verlängerung über die Tram-Endhaltestelle in Bretzenheim hinaus oder über die Pariser Straße. Außerdem sah der Generalverkehrsplan`74 Straßenbahnverkehr über die Hindenburgstraße vor.
Wirklichkeit wurde aber keines der Vorhaben.
Erst im Jahre 1977 konnte man dann wieder aufatmen, als es endlich wieder eine Neubaustrecke einzuweihen galt: Es war die Anbindung des Finther Neubaugebietes ”Römerquelle” ans Straßenbahnnetz.
Von 1985 bis 89 baute man dann außerdem an einem Abzweig zum Dornsheimer Weg in Hechtsheim, denn das Gewerbegebiet und die Wohnbebauung hatten sich hier stark ausgedehnt. So verbreiterte man die Rheinhessenstraße und integrierte die Tram auf eigenem Bahnkörper in Straßenmitte.
Noch weiter gingen die Ausbaupläne des Jahres 1993. Der Stadtrat hatte sogar beschlossen, dass die Verkehrsgrundlast künftig bei der Straßenbahn liegen sollte und umfassende Pläne vorgestellt:

Mit der Gleisverlängerung zur Messe und nach Ebersheim sollte begonnen werden, das konnte die Zeitung schon berichten.
Doch wieder kam es anders: Der neu gewählte Stadtrat stellte 1994 die Beschlüsse nicht nur in Frage. Mehr noch, plötzlich stand der ganze Straßenbahnbetrieb in Mainz vor dem aus. Eine knappe Mehrheit von nur einer Stimme sorgte für ihren Erhalt.

Wegen dieser dramatischen Situation hat sich 1995 unser Verein, die Straßenbahnfreunde Mainz e.V., gegründet.

1997 wurde dann noch der Streckenast vom Straßenbahnamt zur Ingelheimer Aue stillgelegt.
Gleichzeitig konnte die Tramlinie 50/51 doch noch vom Dornsheimer Weg zum Bürgerhaus Hechtsheim verlängert und mit einer Wendeschleife versehen werden.
In 2000 bekam die Bretzenheimer Linie am Hauptbahnhof einen Abzweig, damit sie auch in Richtung Schillerplatz fahren kann.
Um die Jahrtausendwende gab es außerdem in unserer Nachbarstadt Planungen für ein Stadtbahnsystem mit einer reaktivierten Aartalbahn. Diese Planungen hätten auch Auswirkungen auf den Schienenverkehr in Mainz gehabt, da man die Strecke aus Wiesbaden gerne bis zur Universität und zum Lerchenberg verlängert hätte.
Nach Abschluß der detaillierten Vorplanungen legte man 2001 das Projekt drüben erstmal “zu den Akten”.
Gleichzeitig warb die Arbeitsgemeinschaft Stadtbahn Mainz (heute Rheinhessen Tram) für einen Schienenausbau mit 3-Schienen-Gleisen und ab Zahlbach über das Wildgrabental nach Hechtsheim, Ebersheim über Messe und auf die Nieder-Olm – Alzeyer – Bahnstrecke bzw. weiter nach Harxheim, Mommenheim, usw., teilweise auf früheren Bahnstrecken.

Eine neue Stillegungsdiskussion kam 2003 von Seiten der Stadtwerke auf: Die Fixkosten sind für den kleinen Straßenbahnbetrieb und seine Erhaltung im Vergleich zum Busbetrieb viel zu hoch. Der Stadtrat konnte aufgrund der bereits gemachten Investitionen in die Straßenbahn nur auf ein Weitermachen pochen.
Seitdem geht es allmählich bergauf. Ein neues Linienkonzept begann das Defizit zu senken. Es gab weitere Sanierungsmaßnahmen, und die Gaustraße wurde – städtebaulich anspruchsvoll und aufwendig – zweigleisig ausgebaut.
Ein zweites Gleis von und zur Finther Poststraße kam 2007.

Und auch Allgemein gibt es eine Trendwende für Straßenbahnen.

Oftmals als Stadtbahnen bezeichnet gelten sie heute als das Nahverkehrsmittel der modernen Zeit. Mit ihr fährt man nicht, sondern gleitet dahin. Ohne Abgase und mit einem großen Platzangebot winden sich die Fahrzeuge elegant und sicher durch die Straßen der Welt. Weit über 100 Städte haben sie neu oder wieder eingeführt. In Mainz ist das nicht nötig, denn die Straßenbahn war immer da.
 

 Die Ausbaupläne

Sicher kann heute nicht mehr verlangt werden, dass eine moderne Straßenbahn durch die enge Augustinergasse fährt. Doch nach der erzwungenen Aufgabe der Straßenbahnverbindung nach AKK und Wiesbaden, hätte die Stadt längst die Möglichkeit gehabt, das Straßenbahnnetz in den entstandenen Stadtteil Lerchenberg und die großen neuen Wohn- und Gewerbegebiete zu erweitern.

Folgende Trassen sind heute noch für Straßenbahnschienen frei gehalten. Sie beruhen vor allem auf den Planungen von 1993.
Die Bebauungspläne sind dabei weiter gültig:

Die Lerchenberg-Trasse (Stand 02.03.2010: die Strecke soll gebaut werden)

Dieser Netzerweiterungsplan geht schon auf das Jahr 1981 zurück, damals über Saarstraße – Universität – Albert-Schweitzer-Straße; 1993 dann über Backhaushohl – Dalheimer Weg.

Spätere Pläne sehen einen Verlauf entlang der Saarstraße bis Koblenzer Straße und Richtung Ostergraben (ehemalige Landstraße) vor, um dann den erweiterten Ortskern von Bretzenheim zu erreichen.

Die Strecke könnte von den Straßenbahnen im dichten Takt befahren werden, denn mit einer Linie würde neben der Universität auch das Gutenberg-Center,  Marienborn und sein Bahnhof, das Gewerbegebiet um Schott, Allgemeine Zeitung und 3sat und das ZDF als Europas größte Sendeanstalt anbinden, sowie den dichtbesiedelten Stadtteil Lerchenberg selbst. 

Nach Finthen über neues Stadion Mainz05 (Stand: 02.03.2010: Durch die Verlegung des Stadionneubautes Richtung Bretzenheim wird dieser Teil in die “Lerchenbergtrasse” eingebunden. Der Rest bleibt als Forderung bestehen)

Geplant war auch die direkte Straßenbahnverbindung nach Finthen, die ursprünglich im Layenhof enden sollte. Mir ihr würden sich heute auch Stadion- und Fachhochschul-Neubau ideal mit der Innenstadt verbinden lassen.

Die neue Fußballarena wird nicht mehr so Innenstadt- nah sein, so dass die meisten 05-Anhänger samt auswärtigen Zuschauern den ÖPNV nutzen werden.

Mit Straßenbahnen ließen sich mehr Menschen in kurzer Zeit befördern. Mit den Niederflurfahrzeugen ist auch ein Doppeltraktionsfahren möglich.
Die Planung ergibt sich auch aus der Lerchenberg-Trasse, da beide in Höhe der “Agentur für Arbeit” als Abzweig von der bestehenden Linie 52 verlaufen.

Dabei würden die Straßenbahnen auf der Saarstraße -laut Auskunft vom Amt für Verkehrswesen- zunächst in Straßenmitte geführt und dann mittels Rampe auf Universitätsseite weiter fahren.

Straßenbahntrasse nach Ebersheim über Messegelände

Ebenfalls schon fest eingeplant war die Verlängerung der Straßenbahn über den Messepark nach Ebersheim. Diesen Plan wollte der neue Stadtrat nicht umsetzen.

Da man aber die Ebersheim-Zornheimer Busse nicht noch zusätzlich mit der Tram auf gleicher Route Richtung Stadtmitte fahren lassen wollte, kam man auf die Idee, die meisten Busse nur noch von und bis zum Straßenbahnanschluß in Hechtsheim fahren zu lassen. So entstand am ”Mühldreieck” eine Umsteigehaltestelle zwischen Straßenbahnlinie 50/51, Buslinie 66 und den Zubringerbussen zu den Messeveranstaltungen.

Trotzdem wäre dem entstehenden Wirtschaftspark ein Straßenbahnanschluß sicher zuträglich. Untersuchungen belegen, dass sich Gewerbe mit Schienenanschluß besser entwickelt.

Neben diesen Trassen mit Bebauungsplänen sehen wir folgende Trassen für machbar an:

Neustadt – Innenstadt – Erschließung

Ein Ausbau des Mainzer Gleisnetzes macht nur Sinn mit der Neustadt-Innenstadt-Verbindung zwischen Bismarckplatz und Schillerplatz über Sömmering- und Hindenburgplatz, Bauhofstraße, Flachsmarkt und Ludwigsstraße. So könnte die Straßenbahn endlich wieder die Stadtmitte durchfahren. Außerdem sah man 1993 auch den City-Ring und Straßenbahnverkehr auf der Kaiserstraße vor.
Hier, in Umgebung der Christuskirche, gibt es drei große Gymnasien.

Mombach, deren Ortspolitiker schon länger nach Verkehrslösungen suchen, könnte idealerweise per Straßenbahn angebunden werden. Möglich ist das durch ein Abzweig vom bestehenden Streckennetz an der Haltestelle “Zwerchallee“. Für eine Einbahnstraßenregelung in der Hauptstraße (außer für Straßenbahnen) gibt es mit Nestle-, Industriestraße und Rheinallee genug Umgehungstraßen.
Weiter würden die Gleise über Kreuzstraße – An der Krimm führen und die Elsa-Brandström-Straße über einen Einrichtungs-Ring zurück zur ”Krimm” und wieder nach Mombach und in die Innenstadt führen.
Diese Linie aus Gonsenheim würde die Geschäfte im Mombacher Ortskern beleben.

Auch eine Verbesserung der Bahnlinie Mainz – Alzey und Verknüpfung mit dem Mainzer Straßenbahnnetz wäre heute mit 3-Schienen-Gleisen und Zweisystem-Triebwagen technisch möglich und auch nötig.

Darüberhinausgehend wurde 2001 die Rheinhessentram durch die Stadtbahn AG vorgeschlagen.
Angedacht waren Neubaustrecken bzw. Reaktivierung ehemaliger Bahnstrecken.
                                                              Rheinhessentram

Im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit und die große Beliebtheit des Verkehrsmittels ist nicht zu verstehen, warum wichtige Ausbauvorhaben in unserer sonst so aufstrebenden Stadt bisher nicht umgesetzt wurden.

Vergleichbare Städte, wie Darmstadt, Bielefeld, Erfurt, Gera und Zwickau geben ein besseres Beispiel.
 

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