Die aktuellen Ausbaupläne für die Mainzer Straßenbahn sorgen bei den Bürgerinnen und Bürgernder davon betroffenen Stadtteile für Befürchtungen, Ängste und leider auch falschen Aussagen.
Wir möchten daher die Chance ergreifen, unsere Sicht der Dinge darzulegen, und sehen den Ausbau des Straßenbahnnetzes als Chance, die Stadt weiterzuentwickeln und zu beleben.Anlässlich des bevorstehenden zehnjährigen Jubiläums der Mainzelbahn verweisen wir auf die Vorteile, die die Straßenbahn der Stadt bringt. So kann eine Bahn drei Mal so viele Personen transportieren wie ein Gelenkbus, und die Fahrt ist für die Gäste absolut angenehmer. Diesen Unterschied kann man aktuell an dem seit 29.06.2026 gültigen Schienenersatzverkehr (SEV) von Hechtsheim zum Hauptbahnhof besonders gut spüren.
Wer kein Auto zur Verfügung hat, ist auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen. Viele gehören dazu: Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende oder Angehörige eines Haushalts, dessen Auto schon von einem anderen Mitglied genutzt wird. Auch die Menschen, die aus Altersgründen kein Auto mehr fahren wollen oder können, dürfen nicht aus dem Blick geraten.
Diesem Bedarf an einem guten Öffentlichen Personennahverkehr zu entsprechen und Vorsorge dafür zu treffen, dass er in Zukunft möglichst noch besser erfüllt werden kann, ist eine der Herausforderungen unserer Zeit. Denn je besser ein Netz ist, desto attraktiver wird es für Menschen jeden Alters und jeder Lebenssituation. Je mehr Menschen den ÖPNV nutzen, desto eher werden die Straßen entlastet. Straßenbahnen erfüllen den Bedarf auf zentralen Strecken besser als Busse. Die bestehenden Linien in Mainz zeigen dies jeden Tag. Baut man eine neue Linie, steigt die Zahl derjenigen, die den ÖPNV nutzen. Mit der Mainzelbahn sind seit zehn Jahren deutlich mehr Menschen unterwegs als früher mit dem Bus.
Die Mainzelbahn ist ein Erfolgsmodell. Ihre Planung weckte Befürchtungen und Kritik, ihr Bau brachte Belastungen mit sich. Aber wer sich auskannte, wusste, dass viele Sorgen nicht Wirklichkeit werden würden. Wusste, dass viele Kritik einer sachlichen Betrachtung nicht standhalten konnte. Wusste, dass nach dem Bau den Bürgerinnen und Bürgern ein gutes Angebot zur Verfügung stehen würde. Und die Menschen nutzen dieses Angebot heute mehr denn je.
Auch die Technik hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren weiterentwickelt. In der Binger Straße wurde zum ersten Mal ein sogenanntes „Masse-Feder-System“ in die Gleise eingebaut. Erschütterungs-Emissionen werden dadurch erheblich gesenkt. Wir wollen, dass die Straßenbahn ihren Liniendienst zuverlässig und im Einklang mit ihrer Umgebung versieht. Mit der Straßenbahn sind in Mainz zahlreiche Grünanlagen und Alleen gewachsen, so etwa am Kaiser-Wilhelm-Ring oder entlang der Mainzelbahn. Selbstverständlich müssen im Zuge einer Neubautrasse mögliche Folgen für die dort stehenden Bäume geprüft werden.
Den Kritikern, die alternativ mehr E-Busse fordern sei gesagt, dass ein E-Bus (die Kosten für einen Gelenkbus betragen knapp eine Million Euro) doppelt so teuer ist, wie ein herkömmlicher Dieselbus mit gut 400.000 Euro. Sämtliche E-Busse im Fuhrpark der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) sind mit Fördergeldern des Bundes beschafft worden. Ohne diese wird sich kein Verkehrsunternehmen in Deutschland einen E-Bus auf den Hof stellen. Übrigens: Die Bundesmittel für die Bezuschussung von E-Bussen werden im Jahre 2027 um 68 Prozent gekürzt!
Die Straßenbahnfreunde Mainz sind zuversichtlich, dass eine neue Linie der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern großen Nutzen bringen wird. Die Anstrengungen und die Belastungen, die mit dem Bau verbunden sind, werden sich über Jahrzehnte hinweg für viele Generationen auszahlen.

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